Johannes Leemans
(1633-1688)
Large Hunting Still Life with Dead Birds, 1677
Oil on canvas (relined)
88 × 137 cm (34.6 × 53.9 in)
Frame: 98 × 147 cm (38.58 × 57.87 in)
Signed and dated in the lower right: “J. Lemaire/ 1677”.
We owe Fred Meijer for his assistance in identifying the artist (February 8, 2025).
The hunting still life presented here, despite the presence of an unusual signature, can be identified beyond doubt as the work of Johannes Leemans. It can equally well be interpreted as a trompe-l’œil, a genre in which illusion and deception play a central role. Like his brother, Anthonie Leemans (1633–1673), the Hague-based painter primarily devoted himself to depicting carefully arranged hunting equipment — sometimes accompanied by game, sometimes not — against a neutral background. Most often this took the form of a whitewashed wall, as is also the case in this painting, a setting that enhances the striking illusionism of the objects depicted.
Johannes Leemans rarely deviated from this narrowly defined repertoire of motifs. Yet such apparent limitation proved to be a forte rather than a hindrance. His finely painted, life-size compositions were so well received that he continued to explore the same subject matter at least between 1664 and 1684, introducing subtle variations while retaining its essential elements. None of his known still lifes is an exact repetition of another; instead, each work reveals a nuanced rethinking of composition, balance, and lighting, testifying to the artist’s ongoing commitment to visual refinement and optical effects.
Recurring attributes in Leemans’s works typically include hunting rifles, birdcages, game bags, powder flasks, hunting horns, bird callers, canteens, and falconry hoods. These objects are rendered with extraordinary precision and arranged so as to project convincingly into the viewer’s space. Through the careful modulation of light and shadow, they appear to rise from the flat surface, casting soft, convincing shadows on the wall behind them. In the present painting, four birds have been shot: two ducks and two ducklings. From the beak of the duck on the left, a small trace of blood still drips: an understated but striking detail that lends the scene a heightened sense of immediacy and subtly evokes the inherent violence of hunting. Their inclusion underscores the tangible outcome of the hunt and subtly reinforces the theme of human dominion over nature.
The social context of such works is unmistakable. Leemans’s patrons almost certainly came from the court circle of The Hague, where hunting remained an exclusive privilege of the aristocracy and the upper echelons of society. These paintings functioned as status symbols, celebrating not only the material culture of blood sports but also the leisure and authority associated with it.
It is here that a subtle moral dimension may be discerned. While the depicted objects speak of power, skill, and privilege, their static arrangement against a bare wall also suggests a sense of suspension and stasis. Devoid of action, the instruments of dominance over nature become inert, their former purpose momentarily neutralised. In this sense, the painting may gently allude to the transience of human endeavours and the fleeting nature of worldly pursuits. The illusionistic brilliance that animates the objects simultaneously reminds the viewer of deception itself — of appearances that deceive the eye but ultimately reveal their artifice and artificiality.
Firmly rooted in the Dutch still-life tradition, Leemans’s hunting pieces occupy a unique position at the intersection of still life and trompe-l’œil. It bears a signature not yet documented in Leemans’s oeuvre, perhaps reflecting a later attempt to enhance its appeal to the French market. Regardless of this intervention, the painting remains a compelling example of Leemans’s art: a masterful exercise in illusion and variation, and a quietly reflective meditation on status, possession, and the impermanence that underlies even the most privileged forms of life.
Comparative Literature:
Charles Dumas; Edwin Buijsen, Haagse schilders in de Gouden Eeuw[...], Den Haag 1998, pp. 180-184, 324.
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Johannes Leemans
(1633–1688)
Großes Jagdstillleben mit toten Vögeln, 1677
Öl auf Leinwand (dubliert)
88 × 137 cm (34,6 × 53,9 Zoll)
Rahmen: 98 × 147 cm (38,58 × 57,87 Zoll)
Signiert und datiert unten rechts: „J. Lemaire/ 1677“.
Wir danken Fred Meijer für seine Hilfe bei der Identifizierung des Künstlers (8. Februar 2025).
Das hier präsentierte Jagdstillleben, trotz einer ungewöhnlichen Signatur, kann zweifelsfrei als Werk von Johannes Leemans identifiziert werden. Es kann ebenso gut als Trompe-l’œil interpretiert werden, ein Genre, in dem Illusion und Täuschung eine zentrale Rolle spielen. Wie sein Bruder Anthonie Leemans (1633–1673) widmete sich der in Den Haag ansässige Maler hauptsächlich der Darstellung sorgfältig arrangierter Jagdausrüstung – manchmal begleitet von Wild, manchmal nicht – vor einem neutralen Hintergrund. Meistens handelte es sich dabei um eine weiß getünchte Wand, wie auch in diesem Gemälde, eine Umgebung, die die auffällige Illusion der dargestellten Objekte verstärkt.
Johannes Leemans wich selten von diesem eng definierten Repertoire an Motiven ab. Doch diese scheinbare Einschränkung erwies sich als Stärke und nicht als Hindernis. Seine fein gemalten, lebensgroßen Kompositionen wurden so gut aufgenommen, dass er mindestens zwischen 1664 und 1684 weiterhin dasselbe Sujet erforschte und dabei subtile Variationen einführte, während er die essenziellen Elemente beibehielt. Keines seiner bekannten Stillleben ist eine exakte Wiederholung eines anderen; stattdessen offenbart jedes Werk eine nuancierte Neugestaltung von Komposition, Balance und Beleuchtung, die vom fortwährenden Engagement des Künstlers für visuelle Verfeinerung und optische Effekte zeugt.
Wiederkehrende Attribute in Leemans’ Werken umfassen Jagdgewehre, Vogelkäfige, Wildbeutel, Pulverflaschen, Jagdhörner, Vogelrufer, Feldflaschen und Falknereikappen. Diese Objekte sind mit außergewöhnlicher Präzision dargestellt und so angeordnet, dass sie überzeugend in den Raum des Betrachters hineinragen. Durch die sorgfältige Modulation von Licht und Schatten scheinen sie sich von der flachen Oberfläche zu erheben und werfen weiche, überzeugende Schatten auf die Wand dahinter. In diesem Gemälde wurden vier Vögel erlegt: zwei Enten und zwei Entenküken. Aus dem Schnabel der Ente links tropft noch ein kleiner Blutstropfen: ein unaufdringliches, aber auffälliges Detail, das der Szene eine gesteigerte Unmittelbarkeit verleiht und subtil die inhärente Gewalt des Jagens evoziert. Ihre Anwesenheit unterstreicht das greifbare Ergebnis der Jagd und verstärkt subtil das Thema der menschlichen Herrschaft über die Natur.
Der soziale Kontext solcher Werke ist unmissverständlich. Leemans’ Auftraggeber stammten fast sicher aus dem Hofkreis von Den Haag, wo die Jagd ein exklusives Privileg des Adels und der oberen Gesellschaftsschichten blieb. Diese Gemälde fungierten als Statussymbole und feierten nicht nur die materielle Kultur der Blutsportarten, sondern auch die damit verbundene Muße und Autorität.
Hier lässt sich eine subtile moralische Dimension erkennen. Während die dargestellten Objekte von Macht, Geschicklichkeit und Privileg zeugen, deutet ihre statische Anordnung vor einer kahlen Wand auch auf eine Art Stillstand und Starre hin. Ohne Handlung werden die Instrumente der Herrschaft über die Natur inert, ihr früherer Zweck vorübergehend neutralisiert. In diesem Sinne könnte das Gemälde sanft auf die Vergänglichkeit menschlicher Bestrebungen und die Flüchtigkeit irdischer Verfolgungen anspielen. Der illusionistische Glanz, der die Objekte belebt, erinnert den Betrachter gleichzeitig an die Täuschung selbst – an Erscheinungen, die das Auge täuschen, aber letztlich ihre Künstlichkeit und ihren Betrug offenbaren.
Tief verwurzelt in der niederländischen Stillleben-Tradition, nehmen Leemans’ Jagdstücke eine einzigartige Position an der Schnittstelle von Stillleben und Trompe-l’œil ein. Es trägt eine Signatur, die in Leemans’ Œuvre bisher nicht dokumentiert ist, möglicherweise ein späterer Versuch, seine Anziehungskraft auf dem französischen Markt zu erhöhen. Unabhängig von diesem Eingriff bleibt das Gemälde ein überzeugendes Beispiel von Leemans’ Kunst: eine meisterhafte Übung in Illusion und Variation und eine leise nachdenkliche Meditation über Status, Besitz und die Vergänglichkeit, die selbst den privilegiertesten Formen des Lebens zugrunde liegt.
Vergleichsliteratur:
Charles Dumas; Edwin Buijsen, Haagse schilders in de Gouden Eeuw, Den Haag 1998, S. 180–184, 324.